Altes Tonmaterial erklingt wieder fast wie neu

09-08-2017

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Heinz Städeli restauriert in seinem Tonstudio in Emmenbrücke mit grosser Leidenschaft alte Platten und Tonbänder.

Musiker durften nur drei Matrizen verbrauchen

Bis zirka 1949 wurde die Musik in ausländischen Tonstudios in Berlin, Paris usw. auf Wachsmatrizen aufgenommen, ab 1950 erstmals auf Tonband. Die Musikanten mussten sehr gut vorbereitet sein, um die Tänze auf Anhieb fehlerfrei spielen zu können. Wenn das nicht gelang, war die Matrize unbrauchbar. Die Musikanten mussten unverrichteter Dinge heimreisen und durften bei dieser Plattenfirma nicht mehr vorstellig werden, weiss Heinz Städeli. Diese Technik wurde später durch Mehrkanalaufnahmen abegelöst. Jeder Musikant hatte nun seine eigene Spur. Wenn jemand einen Fehler machte, musste meistens nur noch der betreffende Musikant die fehlerhafte Passage wiederholen, nicht mehr die ganze Formation.

Liebe zur Musik vom Vater geerbt

Heinz Städeli (63) ist in Zürich in einer «Bähnler»-Familie aufgewachsen. Er nahm bei Karl Fanghänel jun. Klarinettenunterricht und spielte einige Zeit in der Knabenmusik Zürich mit. Sein Vater Karl war ein leidenschaftlicher Ländlermusikant, hat etwa 360 Titel komponiert und wirkte in Sepp Stockers Formationen mit. So fand auch der Junior schon bald Interesse an an der Ländlermusik. Vor allem das meisterhafte Klarinettenspiel von Jost Ribary sen. begeisterte ihn sehr. Er begann , alles zu sammeln, worauf der Name Ribary steht. Heute hat er zirka 1100 Ribary-Titel digital gespeichert. Die gesamte Musiksammlung von Heinz Städeli umfasst jedoch über 100'000 Titel. Ein grosser Teil davon ist Schlager- und instrumentale Unterhaltungsmusik (Oberkrainer, Egerländer usw.). Aber auch der Bereich Ländlermusik umfasst tausende Titel, die noch vor der CD-Epoche aufgenommen worden waren.

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Schwieriger Zugriff auf Orginalbänder

Heinz Städeli ist diplomierter Toningenieur. Als leidenschaftlicher Sammler alter Tonträger machte er die Erfahrung, dass viele Platten schadhaft waren. Es kratzte und rauschte, die Tonqualität war häufig sehr schlecht. Städeli begann, alte Tonträger zu restaurieren. Sein anfängliches Hobby wurde zum Beruf. Eines Tages sagte sich der Pionier für Tonrestaurationen: «Es wäre viel besser, wenn ich direkt auf die Originalstudiobänder oder Pressmatrizen zurückgreifen könnte.» Nachdem er alle bekannten Schweizer Plattenfirmen sowie Radio DRS von seinem Vorhaben überzeugen konnte, was nicht einfach war, gewährten sie ihm Zutritt zu den Archiven. Er arbeitete für die meisten nahmhaften Plattenfirmen in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Grossbritannien und den USA. «Dies ging bis vor sechs, sieben Jahren sehr gut, doch dann wurden die einst renommierten Firmen praktisch alle innert kurzer Zeit wegrationalisiert», sagt Städeli nachdenklich. Grund war das Internet, Musik wurde fortan in «rauen Mengen» gestreamt und heruntergeladen, die CD-Verkäufe brachen massiv ein.

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Alte Platten nicht ins Brockenhaus geben

Die Frage, ob Heinz Städeli vielleicht bald in den verdienten Ruhestand gehen möchte, verneint er entschieden: «Obwohl ich mich früh pensioniert habe, weil mich die Gesundheit heuer stark gebeutelt hat, möchte ich trotzdem noch lange im gewohnten Rahmen weiterarbeiten, denn Musik ist mein Leben, und Musik erhält jung», sagt der Pionier für Tonrestaurationen. Deshalb eine Bitte an die Leserschaft: Wer alte volkstümliche Langspielplatten und Singles (vorallem 78 Touren-Schellacks) oder Rollentonbänder besitzt und nicht mehr braucht, soll diese bitte nicht ins Brockenhaus bringen, sondern sich mit Heinz Städeli in Verbindung setzen. Nicht erwünscht sind Musikkassetten in schlechtem Zustand.

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