Mutters Musik sind die Kinder

04-05-2017

Zum Muttertag eine Geschichte einer volksmusikbegeisterten Familie.

Vom Nebel in die Sonne

Welch garstiges Wetter, als wir an diesem Donnerstagmorgen das Goldingertal hochfahren. Dauerregen und dichter Nebel lassen uns an bereits hoch angeschwollenen Bergbächen vorbeischleichen. Das Haus an der Bürgstrasse 14 entdecken wir dennoch schnell. «Herzlich willkommen», steht auf einer Tafel. Viele kleine dekorative Aufmerksamkeiten wie Zwerge, Steintierchen, Wind- und Wasserspiele im Garten und am Haus unterstützen den Gruss, der Gäste empfängt. Vorbei am Sandkasten mit Spielgeräten für die Kleinen, vorbei am grossen Tisch mit je fünf Plätzen an den Längs-, zwei an den Stirnseiten, lädt Anna Fischbacher in ihre Stube. Dort, am langen Küchentisch, werde debattiert, diskutiert und geplant, manchmal um Meinungen gekämpft und durchaus mal gestritten, zeigt sie beim Vorbeigehen. Auch die niedere Holzstube verbreitet mit aufgehängten Glocken, diversen Instrumenten und Dekorationen sofort Wärme. Wir sind dem düsteren «Hudliwätter» direkt an die Sonne entflohen.

Inmitten der Instrumente frage ich nach jenem, das sie selber spielt. «Eben, darum», versucht Anna nochmals zu erklären. «Von Beginn unserer Projektes an habe ich nur ‹glöffelet› und gesungen. Über mich zu berichten, ist weder der Rede noch der Schreibe wert. Da verdienten die andern Mitglieder der Kapelle viel eher als ich eine Erwähnung».

Fünf Buben und fünf Mädchen

Einsichtig darüber, dass sie neben «Löffele» und Singen selbst auf der Bühne eine wichtige Funktion als Koordinatorin ausübe, für Zusammenhalt, Ruhe und Harmonie zuständig sei, den Rückgrat der Truppe bilde, Anlaufstation für alle Fälle werde, sprudelt es im noch immer schönsten Märchler-Dialekt wie Wasser aus dem Mund der ehemaligen Wangnerin aus dem Kanton Schwyz. Anna Fischbacher realisiert, dass sie hier nicht der Familienkapelle Fischbacher wegen porträtiert wird, sondern aufgrund ihrer Rolle als Mutter von fünf Mädchen und fünf Buben. Klar, auch diese Konstellation gibt es. Dass sie aber alle zusammen zu Hause und Auswärts musizieren, «d Mamä, dä Dädi», Anita, Sandra, Christian, Judith, Maja, David, Severin, Daniel, Elias und Florina, ist wohl eher die Ausnahme. Inzwischen nicht mehr immer stehen alle gleichzeitig auf der Bühne. Die beruflichen Beanspruchungen der einzelnen Familienmitglieder, zivile Veränderungen oder andere private Interessen reissen schon mal zwei, drei Lücken in die Reihen der jeweiligen Protagonisten auf den Bühnen. Wenn Mutter nicht dabei ist, übernimmt meistens Christian die Führungsrolle. Er ist in der Regel auch für die musikalische Ausrichtung des Repertoirs zuständig, wobei alle ihr Mitspracherecht wahrnehmen. 

  • Kuhglocken von Familie Fischbacher
  • Anna Fischbacher
  • Anna Fischbacher im Auto

Meine Musik sind die Kinder

Vor drei Jahren haben Fischbachers an steiler Lage ein Heimetli übernommen. Anna und Köbi stammen aus Bauernfamilien, und die Landwirtschaft liegt nicht nur ihnen im Blut, sondern hat sich auch auf Söhne und Töchter übertragen. Sowohl den Eltern wie auch den Kindern wurde die Freude am Bauern quasi in die Wiege gelegt. Und analog dem gemeinsamen Musizieren erledigen sie, so es die Zeit erlaubt, auch gemeinsam die Arbeiten, die anfallen. Gemeinsames Heuen gleicht dann schon mal gemeinsamem Musizieren. Anna Fischbacher, die Gabel eben mit einem zünftigen Schübel Heu beladen: «Wir sind zusammen, wir unterstützen uns gegenseitig, wir helfen einander, tun alle das selbe und wir singen oft beim Arbeiten».

Anna Fischbacher

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