Thedi von Weissenfluh - Ein Besuch in der Werkstatt

02-03-2017

In der Gewerbezone von Maienfeld fällt ein Gebäude etwas aus dem Rahmen. Ganz unscheinbar sieht es aus, fast wie ein kleines Lagerhaus. Doch in dieser Werkstatt entsteht Besonderes: Musik.

Bitte eintreten ohne zu läuten

«Bitte eintreten ohne zu läuten», steht am Türschild. Hier sind wir willkommen, treten wir also ein. Es riecht nach Holz und ein bisschen auch nach Leim oder einem Lösungsmittel, wie in einer Möbelschreinerei. Eine Maschine surrt und man hört ein feines «Hämmerle» auf Metall. An den Wänden hängen Plakate von Ländlerformationen, auf einem Tisch liegt ein Vorrat Visitenkarten: «THEDI Akkordeon – Instrumenten- bau, Stimmservice, Reparaturen».

Das also ist die Manufaktur, in der Thedi von Weissenfluh mit seinem Mitarbeiter – und Nachfolger – Patrik Studhalter pro Jahr ca. zehn Akkordeons herstellt. Im Angebot stehen zurzeit die Modelle «Tradition», «Perli», «Flüeli», «Classic Cristall» und neu «Classic Natura», die zum Teil ganz unterschiedliche Anforderungen von Musikern erfüllen. Das Modell «Classic Cristall» zum Beispiel zeichnet sich durch seinen warmen, gedämpften und klangstarken Toncharakter aus und eignet sich besonders für Volksmusik, Jazz und klassische Musik. «Perli» ist perfekt für Akkordeonisten, die ein kleineres Instrument brauchen. Das Leichtgewicht im Angebot ist mit weniger als zehn Kilogramm das «Flüeli», benannt nach der Weissenfluh in Meiringen, wo Thedi von Weissenfluh aufgewachsen ist.

Material und Technik

Ein Thedi-Akkordeon besteht aus über 3000 Teilen; ausser dem Balg, den Stimmplatten und den Knöpfen wird alles in der eigenen Werkstatt hergestellt. Für die Qualität des Instruments und dessen Klangcharakter spielen die Materialien eine wichtige Rolle. So verwendet Thedi von Weissenfluh nur einheimisches Mondholz, also das Holz von Bäumen, die im Leermond gefällt wurden. «Mondholz ist trocken, weil im Leermond der Saft aus dem Stamm weicht. Zusätzlich lagern wir das Holz bei uns noch zwei Jahre, um es ganz auszutrocknen. Das ist wichtig, damit sich das Instrument später nicht verzieht.» 

Akkordeonwerkstatt von Thedi von Weissenfluh

Kulturgut erhalten und entwickeln

«Bis in die 1950er-Jahre gab es in der Schweiz vier namhafte Akkordeonbauer – von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre praktisch keinen mehr. Fast alles wurde aus Italien importiert», sagt Thedi von Weissenfluh. Das wollte er ändern. Die hohe Marge, die der Instrumentenhandel brauchte, konnte er in die Qualität seiner Akkordeons investieren. «Ich versuchte, bessere Instrumente zu bauen, die ich im Erscheinungsbild den schönen alten Record-Orgeln anlehnte. Neue Technik und traditionelles Erscheinungsbild zu vereinen, war mein Ziel. Letztlich ging es mir darum, an den einstigen Schweizer Akkordeonbau anzuknüpfen und diesen weiterzuentwickeln.» Diese Vision machte Thedi von Weissenfluh zum gefragten Akkordeonbauer.

Akkordeonbauer Thedi von Weissenfluh

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